Lust auf Ehrenamt?

17. Juni 2021
Ehrenamt in der ambulanten Pflege

Claudia Michaelis-Melzer (links) hilft Senior*innen seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich – die Gemeinschaftswerke freuen sich über weitere Menschen-glücklich-Macher

„Wenn mir ein Mensch Geschichten aus seinem Leben anvertraut, Gefühle mit mir teilt, dann ist das ein wahrer Glücksmoment “, sagt Claudia Michaelis-Melzer und lächelt. Das sei es, weshalb sie seit mehr als zehn Jahren bei den Gemeinschaftswerken am Standort Falkensee ehren­amt­lich arbeite. „Es ist ein Geben und ein Nehmen.“

Angefangen hatte die überaus herzliche Frau aus Falkensee in der Einzelbetreuung. Sie be­glei­te­te ältere Menschen zuhause, immer zwei parallel. „Mein erster Pflegekunde war ein älterer Herr. Ihn und seine Familie habe ich viele Jahre betreut“, erzählt sie. Seit zwei Jahren nun ist Michae­lis-Melzer Teil des Teams in der Begegnungsstätte der Sozialstation „Neue Mitte“ im Fritze-Mül­ler-Weg 1, das Gruppenangebote durchführt. Sie geht dabei mit der gleichen Leidenschaft heran wie bei der Begleitung einzelner Personen. Insgesamt sei es eine sehr bereichernde Arbeit, meint sie: „Egal ob Gruppe oder Einzelbetreuung, die Gründe, weshalb ich das mache, entspringen immer dem Herzen.“

Ehrenamt als Herzensangelegenheit

Ihr privates Umfeld konnte das nicht so recht nachempfinden, als sie mit Mitte 30 im Ehrenamt anfing. Öfter wurde sie verwundert gefragt, warum sie das mache, sie verdiene doch nichts da­bei. „Darum geht es auch nicht“, sagt die heute 47-Jährige ausdrücklich. „Es ist eine Herzens­an­ge­legen­heit und der Grund nicht Geld. Man macht es aus freien Stücken – eben freiwillig.“

Die dreifache Mutter hat durch etliche persönliche Erfahrungen ein Gespür für ihre Mitmenschen entwickelt und kann sich sehr gut in die Lage anderer versetzen. „Ich wollte schon immer helfen, unterstützen und begleiten“, berichtet die ausgebildete Heilerziehungspflegerin, die sich auf dem gerontologischen Fachgebiet vielfältig weitergebildet hat.

Ehrenamtlich Mitarbeitende gesucht

Bettina Kliesch (Foto: rechts) aus der Sozialstation Falkensee dankt ihr herzlich für ihr En­ga­ge­ment: „Sie ist eine sehr wertvolle Unterstützung. Wie all die anderen 14 ehrenamtlichen Mit­ar­bei­ten­den. Ehrenamt ist eine wichtige Säule der Ge­mein­schafts­werke.“ Als Fachkoordinatorin für Demenz betreut Kliesch am Standort Falkensee die ehrenamtlichen Aktiven, die sich einmal im Monat zum Austausch zu allen Themen, die bewegen, treffen. „Die Nachfrage von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen bezüglich Unterstützung im Alltag nimmt zu“, sagt sie. „Die Ge­mein­schafts­werk Wohnen und Pflege GmbH erreicht zunehmend mehr Anfragen. Dadurch sind wir stetig auf der Suche nach engagierten Bürgern in Falkensee, die Zeit und Interesse haben, zu begleiten und dabei neue Erfahrungen zu machen.“

Viele Personen setzen sich bereits ehrenamtlich für die soziale Betreuung von Senior*innen mit und ohne Demenz in ihrem häuslichen Umfeld ein. So wie Claudia Michaelis-Melzer leisten sie ihnen für ein bis zwei Stunden wöchentlich in ihrem Lebensalltag Gesellschaft und entlasten damit pflegende Angehörige. „Wie viel Freizeit sie investieren, entscheiden die ehrenamtlich Tätigen selber“, sagt Bettina Kliesch und Claudia Michaelis-Melzer fügt hinzu: „Wichtig ist, die regelmäßigen Treffen einzuhalten, da die Senior*innen natürlich warten. Man wird Teil ihres All­tags, trägt Verantwortung. Zuverlässigkeit ist wichtig.“ Zustimmend nickt die Fach­ko­or­di­na­torin für Demenz und meint: „Familien brauchen verlässliche Strukturen. Als ehrenamtlich Aktiver fülle ich eine Lücke, die die Familie nicht füllen kann. Ich bin da, um Zeit zu geben.“

Schulung der ehrenamtlich Mitarbeitenden

Nach einer Schulung, in der wichtige Grundlagen vermittelt werden und die eine Fachkraft anleitet, können die Helfer*innen bei der häuslichen Betreuung mitwirken. Dafür erhalten sie eine pauschale Aufwandsentschädigung. Wer mit wem zusammenpasst, prüft Bettina Kliesch aufgrund der biografischen Hintergründe der Senior*innen. Pflegerische Aufgaben übernehmen die ehrenamtlichen Mitarbeitenden nicht. „Wir sind die Wohlfühldamen und -herren“, bringt es Claudia Michaelis-Melzer auf den Punkt. „Wenn ich bei den Senioren zuhause ankomme, trinken wir immer erst einen Kaffee, und ich fühle vor, wie die Stimmung ist und was wichtig ist.“

Das Wohlgefühl steigern

Da werden dann gemeinsam Fotos angeschaut, Erinnerungen ausgetauscht, oder es wird gespielt, kreativ gestaltet und gesungen. Die gemeinsame Zeit kann auch für einen Bummel durch den Garten oder einen Spaziergang genutzt werden. Im Mittelpunkt stehen die Aktivierung und das Wohlgefühl des Betroffenen sowie die Einbindung in die Gemeinschaft, fasst es Bettina Kliesch zusammen. Die Mitarbeitenden der Sozialstation sind dabei stets als kompetente Ansprechpartner zur Seite und übernehmen, wenn Hilfe erbeten ist. Auch geben sie regelmäßige Schulungen. Demenz-Fachkoordinatorin Kliesch prüft als ständige Ansprechpartnerin, ob Nähe und Distanz gewahrt werden, oder ob jemand emotional zu sehr involviert ist.

Bei einem Sterbeprozess sei Claudia Michaelis-Melzer bisher nie dabei gewesen: „Meine Begleitung endete immer mit einem Krankenhausaufenthalt, von dem derjenige nicht zurückkam.“ Natürlich sei sie traurig, wenn ein Mensch stirbt und fühlt mit, gesteht sie: „Aber die Erinnerung an die schöne Zeit überwiegt. Du kannst die Krankheit oder Behinderung nicht ändern, aber du kannst die Zeit verschönern.“ Das hat sie über die Jahre gelernt. „Mein Alltag ist reich und bunt“, sagt Michaelis-Melzer freudestrahlend – nicht zuletzt durch die vielen Geschichten der Pflegekunden.

Haben wir Interesse geweckt?

Wer möchte, meldet sich gerne in der Sozialstation Falkensee, Fritze-Müller-Weg 1. Bettina Kliesch beantwortet telefonisch als auch per Mail gern alle Fragen.

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