Früher Konsum, heute Senioren-Wohngemeinschaft in Wachow

22. Juli 2021
Senioren-Wohngemeinschaft in Wachow
Acht Senior*innen können bald einziehen und werden im Alltag sinnvoll unterstützt

Endlich ist es soweit. Aus einem ehemaligen Konsum-Gebäude in Wachow, einem Ortsteil von Nauen, wird eine ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Demenz. Hinter diesem Umbau steckt Siegfried Usarek, der selbst in dem Ort wohnt. „Eine Senioren-WG finde ich eine gute Sache“, sagt der Bauherr, der bei der Umsetzung des Projektes Unterstützung von der Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH erhält. Das Unternehmen organisiert seit 1990 bedarfsgerechte Wohn- und Pflegestrukturen und bietet ambulante Pflegeleistungen in der WG an.

Acht Senior*innen finden in dem sanierten Altbau ein neues Zuhause. Aus dem großen Verkaufs­raum werden barrierearme Zimmer. „Des Weiteren entstehen drei Bäder und Toiletten, eine Küche mit großer Fensterfront sowie großzügige Gemeinschaftsflächen mit Veranda und Wohn­zimmer“, erklärt Siegfried Usarek und führt zusammen mit Hund Charly durch die Räume. Wo sich heutzutage die Gemeinschaftsküche befindet, war früher die Lieferrampe des Konsums. Der Koch­bereich und die neu geschaffenen Wohnräume für die künftigen Mieter*innen erstrahlen bereits im neuen Glanz. Der Terrassenanbau ermöglicht einen gemütlichen Rückzug außerhalb des eigenen Zimmers und nach draußen.

Stellvertretende Pflegedienstleitung Sandra Hos | Martina Müller - Fachstelle Demenz
Stellv. Pflegedienstleitung Sandra Hos | Martina Müller - Fachstelle Demenz

Das Interesse an der neuen Senioren-Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz ist groß. Für alle Zimmer gibt es bereits gesicherte Voranmeldungen. Der Umbau vom Konsum zur WG geht schnell voran und das Bauende ist schon in Sicht. Davon konnte sich auch bereits Sandra Turba­nisch von der Hausverwaltung H&L, die das Objekt verwalten wird, überzeugen. Nun werden die entsprechenden Mietverträge vorbereitet und die neue Auftraggebergemeinschaft, die künftig alle gemeinschaftlichen Belange der Mieter*innen regelt, initiiert. Der Einzug der Mieter*innen ist ab 1. September dieses Jahres geplant.

Sie ziehen ein in Haus voller Geschichte. „Als Kind habe ich in dem ehemaligen Konsum gewohnt. Meine Großeltern waren zu einem Viertel Eigentümer“, erzählt Bauherr Siegfried Usarek. „Kurz nach der Wende, 1991 etwa, habe ich den Laden übernommen.“ Anfangs hatte der Wachower diesen gemietet, dann erwarb seine Frau das Haus. Ihr Mann betrieb erst ein Lebens­mittel­ge­schäft darin, schließlich „Siggis Fundgrube“. Von Toaster bis Turnschuhe, von Goldschmuck bis Satellitenschüssel war hier alles zu bekommen. „Nach der Wende lief es gut“, so Usarek. „Es gab ja nichts. Auch noch keine Discounter oder wenn dann nur sehr wenige. Heutzutage arbeiten die meisten Leute auswärts und kaufen gleich dort ein.“

Nach all den gutlaufenden Jahren blieben die Kunden schließlich zunehmend mehr aus, und im März 2020 machte Siegfried Usarek das Geschäft dicht. Dann kam die Idee für eine neue Nutzung. Alles wurde in die Wege geleitet, der Bauantrag gestellt. Usarek ist ein emsiger Mensch. Er ist gelernter Baumaschinist, nach der Wende in den Großhandel für Photovoltaik eingestiegen und europaweit unterwegs gewesen. In Wachow hat der 69-Jährige das Landhotel „Zum Bag­gern­puhl“ gebaut, das seine Tochter führt. Nun also kommt die Senioren-WG, in die er auch seinen Onkel holen möchte.

Es sind helle Zimmer mit großen Fenstern, was wichtig ist für die Orientierung von demenziell Erkrankten. So können sie viel sehen und haben ein Gefühl für Jahres- und Tageszeit. Eine Be­son­der­heit an der neu entstehenden Senioren-Wohngemeinschaft ist ihr Schnitt. Sie ist innen so gebaut, dass Mieter*innen Runden drehen können. Für Menschen mit Demenz ist das extrem wichtig. Sie haben eine Hin- und Weglauf-Tendenz. In der WG in Wachow passiert es nicht, dass sie plötzlich vor einer Flurwand stehen und nicht wissen, wohin mit sich.

Der ehemalige Konsum von Wachow ist zudem gelebte Inklusion: Oben im Haus sind drei Miet­woh­nungen untergebracht, in denen unter anderem Familien wohnen, im Erdgeschoss entsteht die neue Senioren-Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Demenz. Für diese suchen die Gemeinschaftswerke, die ambulante Pflegeleistungen darin anbieten werden, neue Kolleg*innen. Die WG ist an die Sozialstation in Gohlitz angeschlossen.

Über die Gemeinschaftswerke

Seit 1990 organisiert die gemeinnützige Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH bedarfsgerechte Wohn- und Pflegeangebote an Standorten im Havelland und in Oberhavel sowie in der Landeshauptstadt Potsdam, in Berlin-Spandau, Brandenburg an der Havel, Werder (Havel), Herzberg (Elster), Cottbus, Stendal (Sachsen-Anhalt) und nun auch in Schwedt/Oder.

Wir gehen neue Wege, initiieren und vernetzen. Mit rund 700 haupt- und 155 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in Sozialstationen (ambulanten Pflegediensten), Tagespflege-Einrichtungen, Begegnungsstätten und Wohn-Pflege-Gemeinschaften für Menschen mit und ohne Demenz begleiten wir derzeit etwa 2 500 Senioren in ihrem Alltag.Kleine, sich selbst organisierende Teams versorgen ambulant, unterstützen bei der körperlichen sowie medizinischen Pflege und im Haushalt.

Dem Gedanken „ambulant vor stationär“ sind wir zutiefst verbunden und setzen dabei auch auf neue Wohnformen. Wir verstehen uns als Menschen-glücklich-Macher und nicht allein als Pflegekräfte.

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